McDonald’s kritikunfähig: Wie groß ist die Liebe wirklich?

“Der Konzern hatte Twitter-User eingeladen, über ihre persönlichen Erfahrungen mit McDonald’s zu berichten. Anstelle der erwarteten, positiven Tweets kamen aber jede Menge Horrormeldungen. Innerhalb kürzester Zeit schaukelten einander die kritischen Stimmen hoch, und es trat so viel Unappetitliches zutage, dass der Konzern die Aktion abrupt beenden musste.”, fasst Yvette Schwerdt, Amerika-Korrespondentin der Zeitschrift “absatzwirtschaft”, den Marketing-Flop zusammen. Unter dem Hashtag #McDStories soll es innerhalb weniger Stunden 1600 negative Tweets gegeben haben, die sich weit unterhalb der Gürtellinie bewegten. Dass McDonald’s daraufhin die Worte verlor und den Hashtag auf schnellstem Wege einfach aufheben ließ, anstatt die Marke leidenschaftlich zu verteidigen und Fehler einzugestehen, spricht für sich.

Zu unterstellen, dass McDonald’s der Macht von Social Media hier nicht gewachsen war, halte ich für unpassend. Aus meiner Sicht macht es keinen Unterschied, ob die Kritik der Kunden via Social Media, auf anderen Kanälen oder Face-to-face kommuniziert wird, wenngleich die Multiplikation online natürlich sehr viel höher ist. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Jeder weiß, dass McDonald’s ein Fastfood-Franchiser ist und sich die Qualität des Angebots wohl kaum mit der eines Vier-Sterne-Bio-Restaurants vergleichen lässt. Zwar sind die 1600 Tweets nun noch kein handfester Skandal im Verhältnis zur gesamten Anzahl an Benachrichtigungen und angesichts der Tatsache, dass sich zu jeder Marke auch unzufriedene Kunden finden lassen – doch steht McDonald’s nun schon seit Längerem in der Kritik der Öffentlichkeit. Ein wenig Selbstkritik würde dem Image des Konzerns nicht schaden.

Lieber McDonald’s-Konzern,

bekenne Dich doch einfach zu dem, was Du bist: ein Fastfood-Anbieter für den schnellen Hunger zwischendurch. Nicht mehr und nicht weniger. Deine emotionalen Werbekampagnen bündeln die Aufmerksamkeit der Konsumenten, doch solange sich das Außen völlig unverhältnismäßig vom Innen unterscheidet, wird dies immer wieder zu großer Unzufriedenheit in den Nachkaufphasen führen. Ich schlage Dir zwei operative Möglichkeiten vor. Erstens kannst Du die Qualität Deiner Produkte erhöhen und hierzu ein paar wirklich innovative PR-Maßnahmen ergreifen. Zweitens kannst Du Deine Werbung neu justieren. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Slogan “Endlich satt.”? Und dazu passend ein lustiger Werbespot: Ein großer fetter Mann versucht, sich in ein Taxi zu zwängen, scheitert kläglich und geht schließlich zu Fuß – ist ja auch gesünder. Ein wenig Selbstironie bei gleichzeitigem Bewusstsein für ein gesundes Leben stünde Dir gut zu Gesicht.

Viel Erfolg!

Dein Christoph Krelle

Bei OTTO kauft, wer gerne tauscht

OTTO SwoppingJunge Leute, Natur, Sonne und… OTTO. ”Swop, swop!”, animiert der Versandhandel in seiner neuen Video-Kampagne und präsentiert die neue Frühjahrsmode mit einer unkonventionellen Idee. Swopping ist ein neuer Trend unter Jugendlichen, gegenseitig seine Kleidung zu tauschen und sich nach Lust und Laune frei miteinander zu bewegen. Der nach eigenen Angaben zweitgrößte Onlinehändler Deutschlands richtet sich gezielt an die junge Generation der lebenslustigen Abenteuerer, die einen großen Freundeskreis haben und eine tendenziell selbstlose Lebensart besitzen, indem das Swopping zum Hauptbestandteil der aktuellen Werbung wird.

Sehen Sie sich jetzt die drei Kampagnen-Videos bei YouTube an:
OTTO – Swopping T-Shirt
OTTO – Swopping Kleider
OTTO – Swopping Pullover

Emotionen stehen hierbei im Vordergrund. “Die T-Shirts kommen von OTTO”, heißt es am Ende des Spots. Den Rezipienten wird damit suggeriert, dass sie nur mit OTTO in das wirkliche Swopping-Vergnügen kommen können - die passenden Freunde finden, Spaß und gute Laune haben. Mit dem Slogan “Vielfalt, die jeder haben will” wird im Kopf der Rezipienten versucht zu verankern, wie begehrenswert die breite Auswahl und die verschiedenen Variationen des Modehändlers zudem sind, was sich verstärkend auf das affektive Kaufverhalten auswirken kann.

Nachteilig ist, dass ungewiss bleibt, wie sich der Trend des Swopping hierzulande etablieren wird. Der Erfolg der Kampagne bedingt sich hier, zumal die ersten Kommentare im Internet sehr verhalten ausgefallen sind. Die Idee sei zwar gut, doch sehen Viele in der technischen Umsetzung große Defizite, was den Spot insgesamt eher langweilig macht. Offen bleibt – aus meiner Sicht – auch, wer letztlich noch bei OTTO kaufen soll, wenn schließlich jeder nur noch tauscht. Was denken Sie?